HOMEGROWN. Heute mit: MEEZY

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In unserer neuen Feature Reihe namens HOMEGROWN möchten wir euch Frankfurter Eigengewächse vorstellen, die dazu beitragen, dass diese Stadt so dope ist, wie sie ist. Künstler und Aktivisten, Macher und Spinner, Kreative und Querdenker, die hier aufgewachsen sind, und (oder auch): leben und arbeiten.

Unser erster Gast ist MEEZY. Der „älteste Newcomer“, der deutschen Rapszene. Ein Frankfurter Rapper, der seit 15 Jahren unermüdlich Musik veröffentlicht und für seine ausgefeilte Raptechnik und Livemonster-Qualitäten bekannt ist. Letztes Jahr erschien sein vielgelobtes Kollabo-Album „Meezy Trifft…“, auf dem er sich unter anderem mit  JONESMANN, CASER NOVA und ROLA das Mikrofon teilte. Wir haben uns mit MEEZY zusammengesetzt, und uns über den Hunger und die Technik, kommende Projekte, 99 Paar Schuhe und halbe Sachen unterhalten.

Alle Fotos (c) NICOLA REHBEIN. Das Interview führte FUEGO FATAL

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Spittet Parts, dass dir der Kopf raucht. Photo: (c) NICOLA REHBEIN

HOMEGROWN: Meezy, Du bist seit 15 Jahren im Frankfurter HipHop dabei. Mit NonPlusUltra, deiner Crew hast Du im Battlezirkus mitgemischt, Du hast über die Jahre konstant releast und Dutzende Liveshows gespielt. In den letzten 2 Jahren hat man das Gefühl, dass Du richtig auf die Kacke haust. Videos, Releases, Featureparts… Du gibst mächtig Gas. Was motiviert dich?

MEEZY: Meine Motivation ist nach wie vor die Gleiche, wegen der ich auch angefangen habe, Musik zu machen. Weils mir einfach tierischen Spaß macht. Das ist Punkt1. Ohne den Spaß an der Sache würde ich einfach nicht weiter machen können. Ich habe diese Leidenschaft entwickelt, als ich angefangen habe zu rappen. Dieses im Studio sitzen. Ich wüßte auch garnicht, was ich a) sonst machen sollte. Und b) habe ich einfach immernoch diesen Hunger, der Welt da draußen zu zeigen, wer ich bin und was ich mache. Das ist nachwievor so groß, dass ich damit nicht aufhören kann. Und da ich von Jahr zu Jahr einfach immer eine stetige Entwicklung erfahren habe in ganz kleinen Schritten … dass sich einfach die Hörerschaft immer ein bißchen erweitert hat und das Feedback immer wieder da ist, und auch Feedback gekommen ist von wegen „Ey, mach weiter mit der Sache, das ist geil, was Du da machst.“, habe ich keinen Grund damit aufzuhören.

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MEEZY, Live @ St. Tropez Bar. Photo: (c) NICOLA REHBEIN

HOMEGROWN: Das Feedback der letzten Jahre war also für deine Entwicklung wichtig und hat dich angespornt weiterzumachen?

MEEZY: Voll. Von Feedback lebt man natürlich. Ich meine, wenn ich nur Feedback bekommen hätte von wegen „Ey, was macht der Typ da noch auf der Bühne oder deine Musik ist scheisse.“, dann macht man sich natürlich zweimal Gedanken, ob man damit weitermachen soll oder nicht. (denkt kurz nach) Aber … Ich weiß auch nicht, wie es dann wäre, wenn das Feedback so wäre, wenn es negativ ausgefallen wäre. Ob ich dann sagen würde: „Scheiss drauf, ich mach trotzdem weiter!“. Aber zum Glück war das nicht so. 

HOMEGROWN: Man hat seit den letzten Releases das Gefühl, dass Du jetzt wirklich künstlerisch „angekommen“ bist. Es war ein langer Weg bis hierhin. Da muss man schon ganz schön zäh sein. Was kannst Du jüngeren Dudes mit auf den Weg geben, die jetzt anfangen zu rappen und ins „Game“ einsteigen wollen?

MEEZY: Heutzutage ist es ja viel leichter für die jüngeren Dudes anzufangen, weil eine gewisse qualitative Meßlatte schon gegeben ist, also es ist ein gewisser Standard da. Man lernt viel schneller rappen. Als ich angefangen habe, gab es wenig Leute die auf dem technisch hohen Niveau waren, und man mußte sich das alles so ein bißchen aus den Fingern saugen und den Style entwickeln. 

MEEZY: Jüngeren Dudes würde ich mitgeben: Ey, macht da weiter. Macht einfach immer immer weiter. Ihr habt alle Möglichkeiten. Ihr habt alle irgendwelche Smartphones, mit denen ihr Videos drehen könnt. Das reicht aus, um euch auf die Bildfläche zu katapultieren. Damit die Leute was von euch mitkriegen. Ihr müsst keine High-End Videos drehen. Aber, macht Videos. Macht Songs! Ihr könnt mit wenig Equipment schon sehr viel machen. Aber, tut mir den Gefallen und geht erst raus damit, wenn es wirklich auch salonfähig ist. Und fangt nicht an, schon als kleine Toys zu releasen.
Sondern macht erst im stillen Kämmerlein erstmal ein bißchen was, und dann… kommt raus mit der Scheisse. Das ist natürlich ein schwieriger Prozeß, rauszufinden, ob es schon ready ist. Ich glaube, das ist ein Fehler, den viele gemacht haben: Dass sie einfach rausgegangen sind, als es einfach noch nicht präsentierbar war. 

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Der Hunger und die Technik. Photo: (c) NICOLA REHBEIN

HOMEGROWN: Viele halten dich für den technisch stärksten Rapper in Frankfurt derzeit. Auch live. Zählst Du die Silben noch, oder geht das mittlerweile automatisch? Wie lange arbeitest Du an so einem Part?

MEEZY: Das ist verschieden. Manche Dinge flutschen einfach. Es kommt immer darauf an, wo ich schreibe. Es gibt verschiedene Orte, die mich unterschiedlich beeinflussen. Wenn ich zuhause sitze, kann ich so gut wie garnicht schreiben. Außer, ich schreibe deepe Sachen. Im Studio kann ich am besten schreiben. Und am allerbesten kann ich im Studio von den Bounce Brothas schreiben. 

Ich weiß zwar nicht, wieso das so ist. Die haben grüne Wände, vielleicht liegts daran. Aber da flutschts einfach immer am besten. „Technisch stärkster Rapper“ würde ich so nicht sagen. Ich lege auf jeden Fall großen Wert auf Technik. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich einfach ein Perfektionist bin, was das angeht. Weil ich so ein Friemler bin, und immer alles für mich erstmal perfekt haben will. Weil ich auch denke, was ich da mache, ist in Stein gemeißelt. Das muss ich mir in zehn Jahren anhören können, und immernoch sagen können: „Ja, das ist  fresh gewesen für die Zeit“, oder: „Das ist immernoch fresh“, von daher habe ich da ein großes Verantwortungsbewußtsein für mich selbst entwickelt. 

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Ein gefragter Mann. Photo: (c) NICOLA REHBEIN

HOMEGROWN: Was ist dein Lieblingsort in Frankfurt? Und: Warum?

MEEZY: Der Top-Platz in Frankfurt ist, – so langweilig es klingt – Mein Studio.
Weil ich mich einfach in unserem Studio mit AJ und Elyias am liebsten aufhalte. Wenn man jetzt von Orten in Frankfurt spricht, die jeder besuchen kann, fällt das garnicht so leicht, sofort einen Ort aufzuzählen. Ich bin gerne in der Nähe vom Wasser, also gern am Main. Ich bin gerne an der Eisenbahnbrücke hinter der Honsellbrücke. Da bin ich gerne. Nicht oft, aber wenn ich da bin, verweile ich da auch gerne. Ansonsten… bin ich gerne im Osten der Stadt. 

HOMEGROWN: Ich schaue mir gerade die shiny Tops deiner Schuhe an … Was sind das für welche?

MEEZY: Das sind 11er Jordans. Die sind jetzt erst rausgekommen. Ein sehr beliebtes Release, haben sich viele gekauft. Das ist mein erster 11er Jordan. Ich bin noch so ein bißchen unschlüssig, was den ganzen Glitzer angeht, der da dran ist. Ich hab mir immer so abgeschworen von so Lackelementen und so … aber bei denen kommts irgendwie ganz fresh.

HOMEGROWN: Du bist als eingefleischter Sneakerhead bekannt, man sieht dich nie mit dem gleichen Paar Schuhe. Wieviel Paar Schuhe hast Du mittlerweile?

MEEZY: Wieviele ich habe? Ich habs nicht auf dem Schirm. Ich habe – um kurz ne Anekdote zu erzählen – mir früher immer geschworen: Ich hab immer nur 99 Paar Schuhe. Und sobald ich 100 Paar hatte, hab ich immer ein Paar verkauft. Das war so ne Psychosache, weil ich mir gesagt habe: ich will nie 100 Paar Schuhe besitzen.

HOMEGROWN: Weil das dekadent ist?

MEEZY: Ja, weil das dekadent ist. Beziehungsweise: Dann bist Du halt verrückt. Ich hab dann immer ein Paar Schuhe verkauft, oder ein Paar an Homies verschenkt oder so. Irgendwann hab ich den Überblick verloren und dann … wurden es mehr. Und seitdem hab ich irgendwann aufgehört zu zählen. 

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Hat 99 Probleme, aber diese Jordans sind keins.  Photo: (c) NICOLA REHBEIN

HOMEGROWN: Du weisst es eigentlich, aber Du traust dich nicht zu sagen, wie verdammt viele Schuhe Du hast?

MEEZY: So in der Art. Also, ich weiß auf jeden Fall, ich hab keine 200 Paar Schuhe, das weiss ich. Aber ich weiß nicht wieviele ich genau habe. 

HOMEGROWN: Hast Du auch ein Extrazimmer für Schuhe und so?

MEEZY: (lacht) Nee, ich hab nur ne 55 qm Wohnung, und überall, wo eigentlich Platz sein sollte, stehen Schuhkartons. Auf allen Schränken, unterm Bett, der ganze Flur ist voll. Also… es ist sehr extrem.

HOMEGROWN: Welches war dein bester Sneakerkauf, und welches war der schlechteste?

MEEZY: Der schlechteste Deal … Ich habe mir mal beim Pomo Sneakerking (Hallo Pomo!), einen Airmax SLIM SHADY gekauft. Den ersten SLIM SHADY, den gibts nur 1000 mal. Da war ich sehr stolz drauf. Irgendwann war ich in Geldnot, und hab gedacht, ich muss den verkaufen. Das war noch vor dem Sneakerhype, der jetzt in Deutschland umgeht. Den hab ich auf Ebay gestellt, aber nicht aufgepasst. Der Schuh ist für weniger als 100€ weggegangen.

HOMEGROWN: Damn! Was ist der heute wert?

MEEZY: Ich weiß nicht. Aber Du kriegst bestimmt Dreifuffzich dafür, in dem Zustand, in dem der war. Das hat mich sehr geärgert. Der beste Deal war der JORDAN FUTURE PREMIUM. Als Original von Nike direkt lag der so bei 300€. Den hab ich bei Ebay für 80€ geschossen. Weil da auch wieder jemand nicht aufgepasst hat. Alles bleibt also im Gleichgewicht.

HOMEGROWN: Bei deiner letzten Platte „Meezy Trifft“ hast Du mit einigen namhaften Kollegen zusammengearbeitet. Welche drei Künstler in Deutschland sind noch auf deiner persönlichen Bucketlist? Was sind deine absoluten Featurewünsche?

MEEZY: Persönlich, nur für mich? TONE. HELGE SCHNEIDER und MOSES PELHAM. Aktuell feier ich CREDIBIL aus Frankfurt sehr. Und BAUSA. Ansonsten reicht mein Umfeld aus.

HOMEGROWN: Man erzählt sich, dein nächstes Album wäre in der Mache. Was kannst Du uns jetzt schon darüber erzählen?

MEEZY: Aktuell ist es so, dass das Album von meiner Seite komplett fertig aufgenommen ist. Ich habe mehr  als genug Songs für das Album aufgenommen. Wir befinden uns jetzt in der Phase, in der wir gerade Videos dafür drehen. Alles ist noch im Feinschliff. Wir sitzen nochmal an der Produktion, wir wollen das noch richtig ausproduzieren. Mixing, Mastering – das ganze Programm, was da noch dranhängt. Es wird auch wieder ein vielschichtiges Album, auf dem ich im Gegensatz zu „Trifft“ wieder ein paar ernstere Töne anstimme.

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Der Rohbau für das kommende Album steht. Photo: (c) NICOLA REHBEIN

HOMEGROWN: Was hast Du dir vorgenommen für 2016? Was glaubst Du wird das neue Jahr bringen?

MEEZY: Für mich habe ich mir vorgenommen, beständiger zu releasen. Weniger Lücken zu lassen, in meinem Output. Ich will auf der Mappe sein. Ich will in Deutschland meinen Fuß auf die Erde kriegen. Das ist das, was ich mir jedes Jahr vornehme.

HOMEGROWN: Was willst Du gern noch loswerden?

MEEZY: Message gibts keine. Macht das, was ihr machen wollt. Macht es richtig, und nicht halb. Halbe Sachen sind immer Scheisse. Entweder ganz oder garnicht. Und ich freue mich natürlich über jeden, der uns auf unserem Weg begleitet. Ich grüße die ganze Gang: BOUNCE BROTHAS, LEON TIEPOLD, AIR FUSS ONE, ROLA, KATHA, AJ und alle anderen: Ihr wisst, wer ihr seid.

Die STOFF AUS FRANKFURT Bomberjacke gibt es hier.

MEEZY „TRIFFT“ könnt ihr hier kostenlos downloaden.

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